Primitivo

Der italiensche Rotwein Primitivo ist vor allem in Apulien (Puglia auf italienisch) beheimatet. Der Primitivo wird neben dem Negroamaro in allen wichtigen Gebieten in Apulien angebaut und erfreut sich heute äußerster Beliebtheit. Das war nicht immer so. Ende der neunziger Jahre verlor die Primitivo Weine fast die Hälfte seine Anbaufläche in Apulien. Von Anfangs 17 000 ha verkleinerte sich die Anbaufläche auf ca. 8 000 ha. Danach rückte der Rotwein aus Apulien immer mehr ins Rampenlicht und die Winzer begannen den Rotwein Primitivo nicht nur als Verschnittwein in andere Regionen Italiens zu verkaufen, sondern selbst zu vermarkten. Da der Rotwein Primitivo gleich dem Zinfandel aus den USA ist, rührte man die Werbetrommel für den apulischen Rotwein. Immer mehr Menschen interessierten sich für ihn und heute sind Begriffe wie Primitivo di Manduria, Doppio Passo Primitivo oder Primitivo Salento fast jedem Weinfreund ein Begriff. Heute ist der Primtivo Puglia fast wieder zur alten Stärke aufgelaufen. Knapp 12 000 Hektar stehen in Apulien wieder unter Reben.

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Geschichte des Primitivo Puglia

Primitivo Puglia

Der Primitivo Puglia kam Ende des 18ten Jahrhunderts von Kroatien nach Italien bzw. Apulien. Der Name Primitivo ist eine Ableitung aus dem lateinischen Begriff "primativus", was "Erstreifender" bedeutet. Der Rotwein Primitivo ist tatsächlich eine Rebsorte, die sehr schnell reif wird und vor anderen Rebsorten wie Negroamaro oder Montepulicano oder Malvasia Negra geerntet wird. Schon im August werden die ersten Trauben hier geerntet. Filippo Francesco, ein Mönch und Botaniker aus Gioia del Colle gab der Rebsorte wahrscheinlich seinen Namen. Durch die Gräfin Sabini di Altamura kam die apulische Rotweinsorte nach Manduria. Sie brachte sie al Teil ihrer Mitgift in die Provinz mit. Der Primitivo kann in Puglia sehr hohe Alkoholwerte erreichen. Dies machte ihn früher zu einem beliebten Verschnittpartner für den Amarone. Damals war es recht üblich Primitivo Wein mit 16-18 % Volumen Alkohol zu vinifizieren. Diese Weine kamen vor allem aus Manduria, die im allgemeinen als Primitivo di Manduria bekannt sind. Die Alkoholwerte waren natürlich für den normalen Weintrinker zu viel. Man hat in Apulien gelernt den Primitivo zu zügeln und mit modernen Vinifikationsmethoden ihn zu einem hochwertigen Flaschenwein zu entwickeln. Heute bringt der Primitivo Puglia tiefdunkle Rotweine ins Glas. Der bekannteste Wein dürfte der Primitivo di Manduria DOC sein. Die Aromen sind vielfältig und erinnern an eher dunkle Beeren wie z.B. Sauerkischen, Brombeeren oder Himbeeren. Auch würzige Noten wie Pfeffer, Gewürznelken oder Zimt sind oft zu finden. Kräutrige Düfte wie z.b. Rosmarin, Minze oder auch exotische Anflüge von schwarzem Tee können vorkommen. Reifte der kräftige Rotwein aus Puglia im Holzfass erweitert sich das Aromenrad um Noten nach dunkler Schokolade, Tabak, Vanille oder Muskatnuss.

Die Rebsorte

Primitivo Traube

Die Trauben für die Primitivo Weine aus Puglia reifen früh und ergeben einen kräftigen Rosso Puglia. Hier wächst er auf vulkanischen, kalkhaltigen schwarzen Böden, was ihm seinen besonderen Charaker gibt. Die roten Beeren sind klein und rund und hängen locker an der Rebe. Die Trauben für den Primitivo Rotwein sind nicht ganz unempfindlich. Sie sind empfindlich gegenüber Wassermangel, Frost und zu hohen Temperaturen. Die Haut ist dünn und neigt schnell zu reißen. Schimmel hat hier dann ein leichtes Spiel. Die Rebsorte ist nicht sehr ertragreich, was auch an den relativ kleinen Beeren liegt. Der Primitivo Puglia bei der richtigen Reife zeitnah geerntet werden, sonst werden die Trauben schnell klein und schrumpelig und verlieren wertvolles Aroma und Inhaltsstoffe. Die Rebsorte aus Italien hat die Fähigkeit viel Zucker einzulagern. Das führt zu kräftigen, alkoholreichen Rotweinen.

Der Geschmack

Durch die Einführung der Temperaturgesteuerten Vergärung haben die Winzer in Puglia den Primitivo besser im Griff. Wurde er früher nur für seinen massigen Alkohol geschätzt, so können heute die Aromen und sein Charakter sehr schön herausgearbeitet werden. Er erinnert an im Bouquet an Kirsche, Sauer- und Schwarzkirsche und manchmal auch an himbeerige Aromen. Gepaart ist das ganze mit Anklängen würziger Aromen wie Peffer und Lakritz. Die Tannine sind unbehandelt etwas ungestüm. Deshalb tut dem Primitivo eine Zeit in großen oder kleinen Holzfässern ganz gut.

Doppio Passo Primitivo

Doppio Passo - was ist das eigentlich ? Wer sich mit Weinen aus Apulien auseinandersetzt, bekommt diesen Begriff öfters zu hören. Es ist eine traditionelle Herstellungsmethode, die der Ripasso Methode aus dem Norden Italiens sehr ähnlich ist aber nicht gleich. Doppio Passo heißt wörtlich übersetzt " Doppelter Schritt oder doppelter Gang". Beim Doppio Passo durchläuft der Rotwein zweimal eine Gärung. Die Trauben für die erste Gärung werden geerntet sobald sie ihre Vollreife erlangt haben. Die Winzer ernten aber nicht alles, sondern lassen die besten Trauben stehen. Diese verbleiben dann weitere 3 bis 4 Wochen am Stock. Die zweiten Trauben für den Doppio Passo Primitivo reifen nicht mehr weiter, verlieren aber in dieser Zeit ein Teil ihres Wassers. In den Trauben bleibt ein Konzentrat zurück, dass besonders viele Aromen und Zucker enthält. Dies Trauben werden dann geerntet und zur ersten Gärung hinzugegeben. Der Wein reift also ein zweites mal, aber nicht wie beim Ripasso auf dem Trester, sondern auf vollreifen Trauben. Der Doppio Passo Primitivo erlangt so einen intensiveren und kräftigeren Geschmack.

Anbauregionen in Puglia

Der Primitivo wird hauptsächlich in den zwei apulischen Regionen Gioia del Colle DOC und der Provinz Taranto in der er als Primitivo di Manduria DOP und Primitivo di Manduria Dolce Naturale angebaut wird.  Auch als Pimitivo Salento IGT findet man in ihm Handel. In anderen Gebieten in Puglia wird er zumeist als Verschnittwein benutzt oder Sortenrein unter der Bezeichnung Primitivo Pugila IGT oder Primitivo Pugli IGP vermarktet. Der Primitivo di Manduria Dolce Naturale darf als einziger die DOCG Bezeichnung tragen. Im Aleatico di Puglia DOC dürfen bis zu 15 % verschnitten werden. Auch im Gravina DOC dürfen es maximal 20 % sein. Im Primitivo di Manduria ist die einzige DOC Region, die ihn als Sortenreinen Wein ausbauen.  In Kampanien ist er in Falerno del Massico DOC zugelassen. 

Die Sache mit dem Zinfandel

Tatsächlich glaubte man eine Zeitlang das der Primitivo Puglia und der Zinfandel, der ja überwiegend in den USA angebaut wirt identisch sind. Nach einer ausführlichen DNA Analsyse erkannte man aber, das es geringe Unterschiede zum Primitivo gibt. Austin Goheen,  ein US Biologe viel zunächst die morphologische Verwandschaft bei einer Apulienreise in den sechziger Jahren das erste mal auf. Er nahm ein paar Reben mit in die USA um sie ausgiebig mit dem Zinfandel zu vergleichen. Verschiedene Analysemethoden erhärteten den Verdacht der nahen Verwandschaft bzw. der gleichen Identität. Da zu dieser Zeit eine DNA Analyse noch nicht möglich war, konnte die genaue Übereinstimmung nicht bestätigt werden. Dennoch fasste man die Untersuchungsergebnisse als eine Übereinstimmung auf. Da die Amerkianer der Meinungs waren, das der Zinfandel eine autochthone Rebsorte sei, entbrannten hierüber heftige Diskussionen. Die USA wollten unbedingt ein Alleinstellungsmerkmal für ihren Zinfandel. Mitte der neunziger Jahre war die DNA Analyse soweit fortgeschritten, das der Frage nach der Verwandschaft von Zinfandel und Primitivo nochmals nachgegangen wurde. Tatsächlicherweise wurde festgestellt, das die zwei Rebsorten nahezu gleich sind. Seit diesem Tag durfte der Primitivo auch als Zinfandel bezeichnet werden, was natürlich weiteres Öl in den Streit zwischen den USA und Europa bzw.Italen goß. Heute hat man jedoch erkannt, das die Rotweine trotz ihrer nahen Verwandschaft ganz unterschiedlich schmecken. Das Terroir und die klimaitschen Verhältnisse sorgen für eine Geschmacksvielfalt auch bei dieser Rebe.

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